IMARU – Interactive Media and Research Utilities

Mobile Interaktionsmöglichkeiten in Ausstellungs- und Lehrsituationen

Das Kooperationsprojekt mit der Botschaft von Kanada in Berlin beschäftigte sich mit der Konzeption und Realisierung eines interaktiven Fragebogen- und Videopräsentationssystems für das multimediale Informationszentrum “Marshall McLuhan Salon”. Es basiert auf Web-Technologien und ermöglicht die Steuerung von verschiedenen Medieninhalten über mobile Geräte.

Der „Marshall McLuhan Salon“ (MMS) verfügt über eine große Sammlung mit Hunderten von Film-, Bild- und Audiobeiträgen sowie ca. 1000 Texten über spezifisch kanadische Themen. Für die Öffentlichkeit werden die audio-visuellen Inhalte bisher vorrangig über vier große berührungsempfindliche LCD-Bildschirme präsentiert, welche sich im runden Hauptbereich der Salon-Räumlichkeiten befinden. In der derzeitigen Webanwendung können die Beiträge von Besucher/innen über ein nach Sprache und Themen gegliedertes Menü schrittweise aufgefunden und auf dem jeweiligen Bildschirm angezeigt werden. Weitere Möglichkeiten zur Recherche werden z. B. mittels einer interaktiven Kartenanwendung (Kanada Explorer) und der Bereitstellung von mehreren Touchscreen-Informationssäulen zum Betrachten von Text-, Film- und Audiomaterial zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus bietet der „Marshall McLuhan Salon“ für Schulklassen, Studierendengruppen und andere Lerngruppen thematisch zugeschnittene Führungen an. In der Vergangenheit füllten die Teilnehmenden einer solchen Führung einen Papier-Fragebogen mit bis zu zehn Fragen von Hand aus, um die recherchierten Informationen bzw. Antworten festzuhalten und diese in einer sich anschließenden gemeinsamen Auswertungsrunde einbringen zu können.

Logo des Marshall McLuhan Salons

Die Botschaft von Kanada suchte Rat, um die Ausstellung im MMS zu modernisieren.

Nach einigen gemeinsamen Workshops entstand die Idee, die bestehende Infrastruktur vor Ort mit dem Einsatz von mobilen Geräten anzureichern. Zum Einen ergibt sich dadurch der Vorteil, die bestehende technische Ausstattung weiterhin nutzen zu können, zum Anderen eröffnen sich Potenziale, die Besucher/innen bei ihren Nachforschungen mit zusätzlichen modernen Interaktionsmöglichkeiten zu unterstützen und die vorhandenen Medieninhalte leichter zugänglich zu machen. Außerdem sollte im Ergebnis der Workshops die Fragebogen-Bearbeitung digitalisiert werden.

Für den zu entwickelnden Prototypen standen zwei Aufgabenbereiche im Vordergrund.

Mediensteuerung

Im ersten Projektteil galt es, eine Schnittstelle für die Kommunikation zwischen den mobilen Geräten (vorrangig Tablets) und den LCD-Bildschirmen zu schaffen. Die mobilen Geräte werden ähnlich einer Fernbedienung zur Steuerung von Inhalten (Videodateien) auf einem der LCD-Bildschirme verwendet und können darüber hinaus Meta-Informationen des Mediums wie Titel, Länge, Beschreibung, etc. anzeigen. Dazu steht innerhalb der mobilen Anwendung eine zuvor definierte Auswahl an Video-Materialien aus der Mediendatenbank des „Marshall McLuhan Salons“ inklusive Kapiteldefinitionen zur Verfügung. Nach Auswahl eines Videos kann einer der Bildschirme als Ausgabemedium bestimmt und das Video entsprechend geladen werden. Steuerungsbefehle zum Abspielen, Pausieren oder Neustarten werden für das gesamte Video oder Teilbereiche des Videos (Kapitel) erteilt. Die Inhalte eines Bildschirms können von mehreren mobilen Geräten gleichzeitig kontrolliert werden. Videosteuerungsbefehle, welche über den berührungsempfindlichen LCD-Bildschirm ausgelöst werden, wie beispielsweise das Pausieren eines Videos, finden entsprechende Berücksichtigung innerhalb der Anwendung auf den mobilen Geräten.

Digitaler Fragebogen

Der zweite Aufgabenbereich beschäftigte sich mit der Digitalisierung der Fragebögen in Form einer mobilen Fragebogen-Anwendung für Tablet-Geräte. Die Webapplikation kommt in zwei Varianten zum Einsatz: erstens als Moderator-App für die Salon-Mitarbeitenden und zweitens als Basis-App für die Führungsteilnehmenden. Der Funktionsumfang beider Anwendungen unterscheidet sich grundlegend. Die Moderator-App umfasst z. B. die Erstellung, Bearbeitung, Aktivierung und Archivierung von Fragebögen und deren Fragen in bis zu vier verschiedenen Ausprägungen (Single- und MultipleChoice-, Text- und Diskussionsfragen). Zudem können die Salon-Mitarbeitenden steuern, ob ein Fragebogen beantwortet oder ausgewertet werden soll.

Während der Beantwortungsphase enthalten die Fragen in der Basis-App (mobile Anwendung für die Führungsteilnehmenden) neben dem Fragetext und den erforderlichen Eingabemöglichkeiten für die Antworten auch Verbindungen zur Medienbibliothek, sodass z. B. relevante Videoclips direkt von einer Frage aus auf einem der vier LCD-Bildschirme abgespielt werden können. In der Auswertungsphase hingegen stehen den Teilnehmenden sowohl die Fragen mit den gegebenen Antworten als auch die freigeschalteten Lösungen lediglich zur Ansicht zur Verfügung.

Für die Auswertung präsentiert die Moderator App den Mitarbeitenden der Botschaft alle Fragen eines Bogens inklusive der Teilnehmendenantworten in übersichtlicher Form. Darüber hinaus können Fragenelemente wie der Fragetext, eine oder mehrere anonymisierte Antworten und/oder die Lösung über die App individuell auf allen oder einzelnen zuvor ausgewählten  LCD Bildschirmen angezeigt werden. In ersten Tests mit Schulklassen wirkte sich diese Funktion sehr positiv auf die Anregung von Diskussionen aus. Während der Auswertung können die mit den Fragen verknüpften Videoclips nur von Botschaftsmitarbeiter/innen geladen und gesteuert werden. Störende Videopräsentationen auf den Bildschirmen während der gemeinsamen Diskussion können somit ausgeschlossen werden. Diese Einschränkung war im Hinblick auf die jüngeren Altersklassen der Teilnehmenden notwendig. Auch die Freischaltung der Lösungen zur Ansicht innerhalb der Basis App wird nur von den Mitarbeitenden der Botschaft ausgelöst – entweder automatisch durch Anzeigen der Lösung auf den LCD Bildschirmen oder manuell per Knopfdruck in der Benutzeroberfläche der Moderator App. Die erarbeiteten Ergebnisse des Fragebogens können als Gesamtauswertung oder aber aufgegliedert pro Team exportiert und ausgedruckt werden.