SmartLift

Infotainment-Apps im öffentlichen Raum

Startbildschirm mit Standard-Widgets und Apps

Startbildschirm mit Standard-Widgets und einer Liste der zur Verfügung stehenden Apps.

Wie eine Fahrt mit dem Aufzug zum interaktiven Erlebnis wird, zeigt ein innovatives System, das am Forschungs- und Weiterbildungszentrum für Kultur und Informatik (FKI) der HTW Berlin entwickelt wurde.

Der Forschungsbau ist mit einem Personenaufzug des Herstellers „Schindler Aufzüge und Fahrtreppen GmbH“ ausgestattet. Um dem Aufzug über seine reine Transportfunktion hinaus einen zusätzlichen Nutzen zu geben, wurde dieser um ein interaktives System erweitert. Ziel des Vorhabens war es, eine Schnittstelle im öffentlichen Raum für interaktive Kurzzeitanwendungen mit Bezug zum Nutzungsort zu schaffen. Die Technik soll dazu beitragen, die Forschungskompetenz und Kooperationsfähigkeit auf diesem Gebiet zu stärken.

Dabei ist ein Aufzug in einem öffentlichen Hochschulgebäude lediglich ein Beispiel für stark frequentierte Orte, an denen diese Technik eingesetzt werden kann. Ebenso gut kämen dafür Flughäfen, Bushaltestellen, Tourist-Informationstafeln oder Hotellobbys infrage.

Das System besteht aus einer Mehrzahl technischer Komponenten, die vor allem auf dem Kabinendach (PC-Steuergerät, Netzwerktechnik) und in einer Kabinenseitenwand (Multi-Touch-Monitor, Audiokomponenten) des Aufzuges untergebracht sind. Es wurden sowohl die Wartbarkeit als auch Revisionsaspekte der Aufzuganlage und der interaktiven Komponenten berücksichtigt.

Auf diesen Komponenten aufbauend wurde ein eigenes virtuelles Kiosk-System entwickelt, das die Nutzer*innen während ihres Aufenthalts informiert und unterhält.

Die durch „Widgets“ und „Apps“ erweiterbare Software bietet bereits in ihrem aktuellen Zustand einige informative ortsbezogene Daten an. Beispielsweise einen intelligenten Lageplan für das Gebäude, das aktuelle Wetter, Essenspläne für die nahe gelegene Mensa sowie eine Echtzeitauskunft zum öffentlichen Nahverkehr in Campusnähe. Das Kiosk-System bietet zudem über eine Kamera einen Live-Einblick in den beleuchteten Aufzugschacht und macht somit die Technik erlebbar. Für Technikinteressierte ebenso aufschlussreich ist die Echtzeitvisualisierung der Energiedaten der hausinternen Fotovoltaikanlage.

Der interaktive Aufzug ist auch ein Ort des Lernens. So vermittelt die App Wahlhelfer aufschlussreiche Informationen zum Thema „Wahlen“ (von Hochschul- bis hin zu Europaparlamentswahlen) und visualisiert diese anschaulich. Mithilfe eines Geographie-Lernspiels können die Passagiere hingegen ihr Wissen über die Bezirke Berlins oder die Bundesländer Deutschlands mit jeder Fahrt festigen.

Ob Info-App, Lernanwendung oder digitales Spiel – die zeitliche Restriktion der kurzen Aufzugsfahrten führt zu erhöhten Anforderungen an das Konzept einer App, ihre inhaltliche Aufarbeitung und Gestaltung. Für den Bereich Public Gaming entwickelte die Forschungsgruppe daher Konzepte, welche die zeitliche Beschränkung aufheben. Beispielsweise lässt sich eine Spielsitzung auf mehrere Fahrten verteilen. So können die Akteur*innen das Spiel bei ihrem Spielstand von der vorherigen Fahrt fortsetzen (Einzelspieler-Modus), über Fahrten verteilt zusammen auf ein gemeinsames Spielziel hinarbeiten (kooperativer Mehrspieler-Modus) oder abwechselnd ihren nächsten „Schachzug“ zum Sieg über ihre Kontrahent*innen durchführen (kompetitiver Mehrspieler-Modus).

Neben der Entwicklung von Konzepten innerhalb dieses restriktiven Kontextes ist auch die Auswertung des Nutzerverhaltens von Forschungsinteresse. Informationen wie die Anzahl der Aufrufe oder die Nutzungsdauer des Gesamtsystems und der einzelnen Apps erlauben einerseits die Optimierung der Software und andererseits die automatische Erfassung der Nutzergewohnheiten. Letzteres bietet der Software die Möglichkeit, ihre Struktur selbst zu optimieren und so beispielsweise Apps nach deren Beliebtheit zu sortieren.

Die PV-Anlage App visualisiert Informationen zur Fotovoltaik-Anlage des Gebäudes

Die PV-Anlage App visualisiert Informationen zur Fotovoltaik-Anlage des Gebäudes.

Technik

Die als Single-Page-Webanwendung konzipierte Kiosk-Software ist modular aufgebaut und durch Widgets und Apps erweiterbar. Welche Apps zu welchem Zeitpunkt angezeigt werden, lässt sich über eine einfache Excel-Tabelle steuern.

Die Verwendung von Webtechnologien wie HTML und CSS bietet eine flexible, plattform-unabhängige Gestaltung des User-Interfaces. Zudem entfällt somit die Notwendigkeit einer Installation. Die stetige Evolution der Webtechnologien hat einen Stand erreicht, der auch den Einsatz von 3D-Grafik im Browser möglich macht.
Um Ressourcen zu sparen und Inkompatibilitäten zu reduzieren, sind die Apps jeweils in eigenen Containern (iframes) gekapselt und können beliebig gestartet und wieder beendet werden. Dennoch lassen Datenkanäle den Austausch von Informationen zwischen der Kiosk-Software und den Apps zu.