Stasi-Verhöre in VR

Immersion und Manipulation – Zeitgeschichte in Virtual Reality

Was spielt sich in den Köpfen von Vernehmenden und Vernommenen ab? Wie können Menschen zur Aussage gebracht werden und was haben die psychologischen Methoden der DDR-Staatsicherheit mit der Gegenwart zu tun? Damit beschäftigt sich ein Projekt von Deutschlandfunk Kultur, VRagments und Creative Media mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung und des reporterforums.

Als interaktive Ergänzung eines zweiteiligen Audio-Features zum Thema wurde hier eine Virtual-Reality-Anwendung entwickelt, die sich mit den Verhörmethoden der Stasi auseinandersetzt und das Konzept der sogenannten „operationellen Psychologie“ verdeutlicht. Nach umfassender Recherche in den Archiven der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen hat Autorin Jana Wuttke einen exemplarischen Fall ausgewählt. Durch die Einbindung der Original-Mitschnitte in die VR-App wird die Vernehmung subjektiv und unmittelbar erlebbar, in kurzen Unterbrechungen wird diese Erfahrung journalistisch eingeordnet.

Screenshot aus der App Stasi-VR

Eine besondere Rolle hat dabei die Nutzerführung durch den virtuellen Raum und die Integration der historischen Tonbandaufzeichnung in ein völlig neues Medium gespielt. Die Mitschnitte wurden digital aufbereitet, die zu hörenden Personen akustisch separiert und dann virtuell im Raum verortet. So entsteht bei Nutzer*innen nur mit Hilfe eines normalen Zweikanal-Kopfhörers ein dreidimensionaler Höreindruck. Die dafür notwendige Technik, basierend auf sogenannten Head Related Transfer Functions, kam bereits in dem Audio-Game „Blowback“ zum Einsatz, das 2015 in Zusammenarbeit von Deuschlandfunk Kultur und Creative Media entstand.

Das Projekt „Zur Herstellung der Aussagebereitschaft“ wurde vom Grimme-Institut in der Kategorie „Beste Innovation“ für den Deutschen Radiopreis 2017 nominiert und kann hier heruntergeladen bzw. gehört werden:

Audio-Feature und App-Links bei Deutschlandradio Kultur

 

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